Inklusen
Bernstein mit dem Einschluss einer Eidechse

 

Im Bernstein eingeschlossene Fossilien bezeichnet man als Inklusen. Die erhalten gebliebenen Fragmente der Fauna und Flora sind für die Wissenschaft von großer Bedeutung. Es entsteht der Eindruck einer Momentaufnahme des bewegten Lebens vor 50 Mio. Jahren. Sie ermöglichen das Verhalten einzelner Tiere sowie Interaktionen zwischen verschiedenen Arten zu beobachten, liefern wertvolle Informationen über die Verbreitung verschiedener Gattungen und ihre Evolution und erlauben den Lebensraum in den Bernsteinwäldern zu rekonstruieren.Inklusenhaltig sind die geschichteten Bernsteine, sog. Schlauben, die durch mehrere Harzgüsse entstanden. Das klebrige Harz war eine natürliche Fallefür dieInsekten, Spinnentiere, Tausendfüßler. Ins Harz gerieten sogar Muscheln, Fragmente der Wirbeltiere und Eidechsen. Meistens kommen Gliederfüßler vor, davon 80% Zweiflügler. Äußerst selten kommen größere Einschlüsse vor. In der Ausstellung des Bernsteinmuseums befindet sich eine Eidechse im Bernstein (lat. Lacertidae). Man kennt in der Welt nur einige solche Exemplare. Obwohl die inneren Organe der Organismen zerfallen sind, sind die äußeren Strukturen gut erhalten. Die Erhaltung der filigransten Hautstrukturen, der kleinsten Poren und feinsten Härchen ist optimal und erzählt von den besonderen Momenten der vom Harz überraschten Tiere. Aber nicht allein die Organismen sind überliefert – auch deren Verhalten, symbiotische Beziehungen, besondere Momente im Leben eines einzelnen Tieres sind im Bernstein zu betrachten. Spinnen können auf „frischer“ Tat ertappt werden, wie sie ihre Beute verspeisen oder ihr Netz spinnen. Viele Mücken, Fliegen, Termiten gerieten in den Bernstein als Schwärme während der Hochzeitsflüge. Vor 50 Mio. Jahren gab es im Haar von Säugetieren Läuse. Sehr selten kommen pflanzliche Einschlüsse vor (0,4%) – Fragmente von Baumrinde, Nadeln, Blüten, Flechten, Moos. Im Bernstein sind nur jene Pflanzenteile eingeschlossen, die abgerissen, beschädigt oder verwelkt waren. In vielen Bernsteinstücken findet man Fragmente von Eichenblüten. Das ist ein Beweis dafür, dass während der Blütezeit der Eichen der Harzausguss am stärksten war.

Die Inklusensammlung des Bernsteinmuseums gehört zu den größten und – wissenschaftlich gesehen – zu den wertvollsten in der Welt. Sie zählt 15 000 Objekte.

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